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Was wir sind, tun und denken, ist hier auf den Punkt gebracht:
Entwicklung einfrieren
Wäre die Entwicklung vor Jahrzehnten eingefroren worden, wäre unser Volk nicht mehr. Trotzdem gibt es Leute, die meinen, Kulturveränderung müsste gestoppt werden – natürlich nur bei anderen, oder nur auf einem bestimmten Gebiet. Das bedeutet das sichere Ende dieser Kultur. Das Überleben dieser Menschen wäre nicht mehr gesichert.
Stellen Sie sich vor, in Deutschland wäre die Entwicklung der Technik, z. B. in der Automobilindustrie, beim Stand von 1950 eingefroren worden. Die Fahrzeuge würden den Anforderungen bei weitem nicht gerecht und viele weitere Wissenschaftssparten wären radikal beeinträchtigt. Oder die Elektronik bei 1980: Ich hatte mir damals die erste Bildschirm-Schreibmaschine gekauft, mit der auf normalen Audio-Kassetten gespeichert werden konnte. Der gesamte Internet-Bereich wäre wegzudenken: Selbst der älteren Generation fällt das schwer, der jungen ist es unmöglich. Ganz zu schweigen von der Medizin: Ohne Penicillin und Antibiotika sinkt die Lebenserwartung wieder drastisch.
Ganzheitlicher Zusammenhang von Kultur und Religion
Die geistige Entwicklung mit z.B. Ausbildung, Philosophie, Religion ist unauflöslich mit der materiellen verbunden, eines ist vom anderen abhängig. Am meisten wird die Funktion der Religion oder der vorherrschenden Lebensphilosophie in der Kultur unterschätzt. Deshalb findet man keine Antwort z.B. auf Taliban, und sehr unwissenschaftlich werden die Zusammenhänge dem Fundamentalismus zugeschrieben, ohne zu differenzieren oder zu analysieren. Drogenhandel, Geldwäsche, Politik und Wirtschaft erzwingen militärische UN-Maßnahmen, um die Weltsicherheit einigermaßen im Griff zu behalten. Die religiösen Hintergründe werden dabei meist ausgeblendet, weil sie zu schwierig erscheinen oder man sich darin zu wenig gut auskennt; deshalb greifen Lösungen zu kurz.
Kontrollierte Kulturveränderung
Niemand auf dieser Welt darf die Teilnahme am Fortschritt verwehrt werden. Das wäre Bevormundung und Diskriminierung. Aber mit Konsumgütern bzw. Alkohol und Drogen oder Pornographie Menschen anderer Kulturen zu ködern ist genau so unverantwortlich wie ein Anschlag auf einen vollbesetzten Zug. Das eine ist ein offen gewaltsamer, das andere ein unterschwellig gewaltsamer Eingriff in die Entscheidungs-Hoheit anderer. Verantwortliche, respektvolle Einführung von Gedankengut in anderen Kulturen unterliegt ebenso dem Marktgesetz von Angebot und Nachfrage wie bei materiellen Gütern. Verhandlungen und Dialog auf Augenhöhe ohne eigennützige Hintergedanken sind ethische Voraussetzungen dafür. Der Anbieter muss sich dieser moralischen Kontrolle unterziehen, wenn er keinen Schaden anrichten will, der nur andere trifft. Auch der Gewinn muss für beide Seiten deutlich und verständlich sein, ohne Täuschungen. Kulturveränderungen beeinträchtigen die Religion, Veränderungen der religiösen Verständnisse beeinflussen materielle Veränderungen: Manchmal ist das sogar eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz und die Einordnung von technischer Entwicklung und deren Auswirkung. Kontrollierte Kulturveränderung ist überlebensnotwendig. Die langfristigen Folgen sind entscheidend.
Forschung ist die beste Strategie
Auf allen Gebieten des Lebens, also der Kultur und Religion, ist eine grundlegende, wissenschaftliche Forschung Vorraussetzung für jede sinnvolle Entwicklung, die dem Menschen materiellen Nutzen und geistige Vorteile bringt. Das beginnt mit der Kenntnis der Sprache und Mentalität dieser Menschen, dem Studium der Zusammenhänge der Lebensbedingungen in ihrem kulturellen Hoheitsgebiet und der Religion sowie ihrer Bedeutung dafür.
Wenn Fehler nicht ganz vermieden werden können: sie dürfen nur einmal geschehen; man muss daraus lernen; gerechtfertigt sind bestenfalls neue.
Analysen und Differenzierungen, Hintergründe und Zusammenhänge sind unerlässlich für qualifizierte Prognosen und kontrollierte Risiken. Auch und gerade im Zusammenhang von Kultur und Religion.
Was andere gedacht, getan, gesagt haben, sollte zugänglich sein. Wir leisten unseren Beitrag dazu – durch die rechtliche Grundlage der Stiftung, durch Fachpersonen, die in Instituten ihre Ziele verfolgen, durch Beratung und Unterstützung, durch Bereitstellung von relevanten Forschungsgrundlagen.
Deshalb haben wir diese Initiative gegründet und laden Sie ein: Informieren Sie sich, klinken Sie sich ein, profitieren Sie, arbeiten sie mit und unterstützen Sie die Forschungsstiftung Kultur und Religion.
Klaus W. Müller
